Impressionen

12. Pfingst-Training 2011

Ein besonderer Pfingstmontag oder das etwas andere Qi-Erlebnis

Es ist Pfingstmontag, 05:45 Uhr. Zu sechst stehen wir vor dem Dojang in Littau. Dominique Vermot, unser Lehrer, nimmt uns heute zu einem Qi-Erlebnis der besonderen Art mit. Nach einer kurzen Autofahrt erreichen wir unseren Ausgangspunkt bei den Hotels am Bürgenstock. Die Temperatur ist angenehm, die Luft klar, die Umgebung in ein sattes Grün gehüllt. Der Nieselregen stört uns nicht. Die Vögel singen uns ihre Morgenmelodien vor. Wir Schüler sind gespannt, was uns wohl erwartet. Und so wandern wir los in einen wunderschönen Morgen. Für die Wegstrecke gibt uns Dominique immer wieder Aufgaben, bei denen wir nachdenken, fühlen, hören, in unser Inneres schauen und horchen sollen. So merkt man gar nicht, wie sich der Weg nach oben zieht. Und mit ihm auch wir immer höher hinaufgehen. Am Startpunkt hat uns Dominique nochmals die sieben Chakras plus das achte Chakra, das seinen Platz über unserem Kopf hat, erklärt. Eine der Aufgaben ist es, die Kundalini-Kraft aufsteigen zu lassen. Nach der tantrischen Lehre liegt diese Kraft, symbolisiert durch eine zusammengerollte Schlange, am Ende der Wirbelsäule, dem Steiss. Mit jedem erklommenen Höhenmeter sollen wir sie ansteigen bzw. sich entrollen lassen, bis sie sich beim Erreichen des Bürgenstockgipfels bis zum Bai Hui (Scheitelpunkt) aufgerichtet bzw. entwickelt hat. Nach einigen Höhenmetern und mit der Kraft in etwa auf Höhe des unteren Dantien halten wir zur ersten Übung. Wir füllen unseren Körper mit frischem Qi.
Nach einer kurzen Theorie-Einheit über die Zahl 1 und ihre Bedeutung, über das Kappen der sechs Wurzeln und über die Erd- und Himmelsenergie erhalten wir von Dominique für unseren Weitermarsch zusätzliche Aufgaben. Unter anderem sollen wir uns Gedanken darüber machen, weshalb buddhistische Meditationszentren und Klöster auf Bergen oder an sehr hohe Berge gebaut werden, wie es z.B. in Tibet der Fall ist.
Tja, wissen Sie es denn, lieber Leser?
Eine weitere Aufgabe ist das Kappen des Gehörsinns um festzustellen, was wir neben den vordergründig wahrgenommenen Geräuschen noch so alles hören. Hört man plötzlich den eigenen Herzschlag? Oder vielleicht sogar das Blut in den Adern fliessen? Treten die Vogelstimmen in den Hintergrund? Empfindet man das Reiben des Regenkleiderstoffs plötzlich als weicheren Ton? Was hört wohl jeder einzelne? Und was nicht mehr?
Auf diese Weise erklimmen wir die Höhenmeter. Und immer wieder machen wir Übungen für das geistige und körperliche Entschlacken und welche, um den Körper mit frischem Qi zu versorgen. Und mit jeder Übung wird das Empfinden stärker und tiefer. Ein für mich persönlich absoluter Höhepunkt ist das Zhang Zuan auf den Baumstrünken. Jeder wählt seinen Baumstrunk, die alle zwischen 0,8m und 1,3m hoch sind. Wie im Dojang geübt die Füsse schulterbreit, mit Erde und Himmel verbinden, das mittlere Dantien öffnen, usw. usf. Doch was ist das? Die Erdenergie kommt von ganz tief. Es muss mindestens der Fuss des Berges sein. Vielleicht sogar noch tiefer. Wow! Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich weiss nicht, wie es meinen Mitschülern in diesem Moment ergeht, aber bei mir ist noch nie zuvor das Erd-Qi von so tief aus dem Erdinnern aufgestiegen wie heute. Und noch nie habe ich den Wandel von Yin zu Yang und umgekehrt so intensiv und so gleichzeitig wahrgenommen. Gestärkt von diesem Erlebnis und nach weiteren Übungen erreichen wir den höchsten Punkt und somit auch eine bis zum Scheitelpunkt entwickelte, aufgerichtete Kundalinischlange.
Mit dem Hinunterwandern und vielen weiteren Übungen liegt die „Schlange“ wieder beim Steiss, die Energie ist im unteren Dantien gesammelt. Es ist 12:00 Uhr, der Morgen vorbei. Wir sind wohl alle zufrieden, fühlen uns wohl, sind um Antworten und Energie reicher und freuen uns auf das nächste Mal.
Dominique, herzlichen Dank für diesen fantastischen Morgen!